Tag 10 - Mit dem Moped (fast) quer durch Bali
Heute wurde ich um 05:00 Uhr aus dem Bett geschreckt, als Bine einen erschreckten Schrei ausstieß und das Licht anriß. Ein Tausendfüssler (ca. 7cm lang) hatte sie im Schlaf in den Oberschenkel gezwickt.
Nachdem sich unser Puls wieder normalisiert hatte, wurde das Teil aus dem Bett verscheucht. Oder besser gesagt, unter die Matratze :-)
Gegen 08:00 Uhr dann endgültig austehen und frühstücken, denn wir wollten heute ja mit dem Moped zum Lake Batur fahren.

Lt. Marco Polo Reiseführer liegt der gerade mal 25km von Amed weg. Amed liegt westlich von Tulamben also müssten es von Tulamben noch weniger km sein. Ich hatte mir allerdings schon in Deutschland Kartenmaterial von Bali für mein Handy-Navi heruntergeladen und lt. Navi waren es ca. 40km. Das konnte ich mir schon eher vorstellen.
Schnell noch vollgetankt und dann ging es auch schon los.

Erst ca. 20km die Küstenstraße entlang. Da ließ es sich die ersten 16km auch noch ganz gut fahren, dann verpassten wir aber die Ausfahrt und mussten eine spätere nehmen und das bescherte uns 4km Schlagloch an Schlagloch, Straße kaum erkennbar. Bine hat das aber ganz toll gemacht und auch diese Hürde genommen. Und dann ging es links von der Küstenstraße ab, hinein in die Bergwelt.
Von da an gab es nur noch eine Richtung: Nach oben. Eine schmale zweispurige Straße führte in engen Kurven unaufhörlich nach oben. Die Aussicht wurde von Kilometer zu Kilometer schöner.

Allerdings hätten uns die dicken, teilweise schwarzen Wolken schon ein wenig stutzig machen sollen, aber dazu später mehr.

Das Navi verlor immer mal wieder das GPS Signal, war aber im Großen und Ganzen kein Problem, da es eigentlich immer nur eine Straße entlang ging.
Als uns dann Einheimische mit dicker Jacke und Handschuhen auf dem Moped entgegen kamen, da hätte der geneigte Touri in kurzer Hose und T-Shirt doch ein wenig hellhörig werden müssen. Wurden wir, nutze aber nix. Es wurde mit zunehmender Höhe kühler und einmal war die Steigung sogar so stark, dass der Sozius absteigen musste. Aber zum Glück nur einmal. Ansonsten quälte sich unser Roller tapfer die Berge hinauf. Und es wurde kühler und kühler...
Und dann offenbarte er sich auch, der Lake Batur.

Wir hatten unser Ziel nach ca. 3 Stunden (und ca. 40km) fast erreicht. Am ersten Tempel sind wir gleich vorbeigeschossen, zu spät gesehen, trotz der Touri-Busse, die davor standen. Also weiter... und dann kam das erste - von vielen, wie sich später herausstellte - Aussichtsrestaurant. Wir fuhren auf den Parkplatz, eigentlich nur, um ein Foto zu machen und wurden gleich angesprochen, ob wir nicht etwas trinken wollen. Ach, nach 3 Stunden auf dem Roller, warum eigentlich nicht.
Wir wurden am Eingang nett begrüßt und bekamen ein feuchtes Tuch in die Hand gedrückt. Sehr angenehm. Wir wurden auf den Aussichtsbalkon geführt und bekamen dort einen schönen Tisch angeboten. Bine bestellte eine Diet Coke für 20.000 RP, ich eine normale für 17.000 RP. Etwas teurer, aber noch im Rahmen. Natürlich wurden wir auch gefragt, ob wie etwas essen wollen. Gibt Büffet, kostet 70.000 RP (= normaler Preis x 2). Bine hatte sich für das Büffet entschieden. Das war von der Auswahl her und auch geschmacklich ok.
30 Minuten später und 123.000 RP ärmer (weil alle Preise waren natürlich noch plus Steuer) saßen wir wieder auf dem treuen Roller und sind weiter die Straße entlang. Wir hatten uns als Ziel gesetzt, das Dorf Trunyan (in dem die Einwohner die Toten einfach aufbahren und verwesen lassen) zu erreichen oder um 14:00 Uhr spätestens kehrt zu machen. Je nachdem, was eher eintreten würde. Denn wir wollten auf jeden Fall im Hellen zurückkehren.

Wir fanden die Abfahrt Richtung See und es ging wieder eine schmale Straße entlang, jetzt allerdings steil bergab. Uns kamen die LKWs im Schritttempo auf der Gegenfahrbahn entgegengekrochen und wir dachten beide "na, das mag ja lustig werden, wenn wir hier nachher wieder hoch müssen".
Man darf immerhin nicht vergessen, das die Hauptstraße quasi am Kraterrand entlangführt und der See sich mitten im - zur Zeit nicht aktiven - Vulkan befindet.
Unten angekommen, steuerten wir einen Parkplatz an, von dem aus man auch zu Motorbootfahrten auf dem See starten konnte. Wir verzichteten. Es sprach uns auch gleich ein "Künstler" an, zeigte uns seine verschiedenen deutschen Referenzschreiben und seine Mini-Gemälde. Nett und höflich machten wir ihm klar, dass wir nichts kaufen wollten und er zog wieder ab.

Unten am See war es insgesamt alles sehr unaufdringlich und es waren auch fast keine Touristen dort. Die großen Busse kamen auf den engen, steilen Straßen zum Glück wohl nicht zurecht 
Das Seeufer ist bestimmt durch Reisfelder. Die Leute gehen dort ihrer normalen Arbeit nach und lassen sich durch die wenigen Touristen nicht stören. Wir fuhren weiter eine Straße am See entlang, die immer schmaler wurde und immer mehr nach Feldweg aussah. Gegen 13:30 Uhr - 30 Minuten vor der geplanten Zeit - beschlossen wir dann wieder umzudrehen und uns auf die Heimreise zu machen, ohne unser eigentliches Ziel erreicht zu haben.

Kurzer Zwischenstop am Tempel bei Kredisan (bestimmt ein privater Tempel, haben wohlhabende Familien hier) und dann die steile Straße hoch zur Hauptstrasse. Man, war das ein Getümmel. Einen LKW mit Mühe und Not überholt, da sind schon die nächsten LKWs vor einem. Da fragt man sich, wo die eigentlich herkommen, denn unten am Ufer war nix mit LKWs.
Wir wollten noch ein Video der Fahrt bis zur Hauptstraße machen, war leider aber zu spät. Noch die große Kreuzung an der Hauptstraße meistern und dann zurück gen Heimat.

Kurzer Zwischenstop am Touri-Tempel, paar Bilder im "vorbeifahren" und dann weiter. Und wie wir feststellen mussten, war unsere Entscheidung etwas früher zurückzufahren wohl nicht so verkehrt, denn die Wolken - direkt vor uns auf Augenhöhe - wurden immer dunkler und dichter und es fing an zu regnen.

War es schon auf der Hinfahrt kalt, so wurde es durch den Regen noch viel, viel kälter. Was hätten wir jetzt für eine dicke Jacke oder auch schon für eine dünne Regenjacke gegeben. Aber letztlich wurde es mit jedem Meter, den wir uns der Küste und "Normal Null" näherten auch wieder wärmer und der Regen hörte irgendwann ganz auf. Wir tuckerten also schön vorsichtig mit 10 - 60 km/h der Küste entgegen, wenn's mal was besonderes zu sehen gab, wurde natürlich trotzdem mal kurz angehalten.

Unterwegs waren wir ein Mal falsch abgebogen und hatten unter einem Baum Unterschlupf gesucht, um die Karte erneut zu studieren. Eine nette Einheimische fragte uns, wo wir denn hinwollten und erklärte uns dann, nach Tulamben müssen wir zurück zur letzten Kreuzung und dort rechts. Sind schon - ausserhalb der Touri-Gebiete - nett, unaufdringlich und zuvorkommend, die Balinesinnen/Balinesen. Und die Kinder kennen vor allem eins aus Deutschland: Fußball, Ballack und Podolski. Nicht selten rufen sie einem "Ballack, Ballack" entgegen, wenn man erzählt, dass man aus Deutschland kommt.
Unten an der Küste war wie gesagt nix mit Regen, da konnten wir wieder trocknen und uns aufwärmen. Der Popo tat langsam ganz schön weh von dem langen Ritt und gegen 16:30 Uhr waren wir dann am Supermarkt, wo wir den treuen Roller geliehen hatten und gaben ihn wieder ab. Und als Lohn für unser Durchhaltevermögen gab's gleich mal ein Eis :-)
Getankt haben wir auf der Tour insgesamt zwei Mal. Das ist auf Bali mit dem Moped auch super unkompliziert. Man sieht schon im Vorbeifahren, wo es Sprit gibt. Die haben hier ihren Sprit an jeder zweiten Ecke in 1L oder 2L Plastikflaschen abgefüllt und die liegen dann vorm Haus aus. Da hält man dann an, sagt man will Sprit und dann wird aufgefüllt. 1L = 5.000 RP, scheint ein Einheitspreis zu sein.
Wir jedenfalls freuten uns auf eine Dusche, denn die Fahrt hatte geschlaucht und auch ihre (Dreck-)Spuren hinterlassen. Zum Glück keine Asphaltflechte.
Abendessen gab's heute im Matahari, einen super leckeren *mjam, mjam Cheeseburger mit french fries.

Ach ja, und Kartenzahlung hat heute im Matahari auch geklappt. Zwar nicht mit meiner Amazon-VISA-Karte, aber zum Glück habe ich ja noch eine zweite Kreditkarte dabei und mit der ging es dann.
Und jetzt, während wir im Restaurant sitzen und unseren Schlummertrunk zu uns nehmen, scheint es doch tatsächlich das erste Mal auch hier unten an der Küste zu regnen. Ist eh dunkel und es geht gleich ins Bett, denn wir haben uns für morgen früh 06:30 Uhr zum Early Morning Dive angemeldet.

